Samstag, 5. Februar 2011

Wanaka

Mitten in den Südalpen liegt Wanaka, ein kleiner Ort, der vorwiegend vom Skisport im Winter lebt, sich aber über die Sommerzeit anscheinend auch ganz gut über Wasser hält – es waren jedenfalls reichlich Touristen unterwegs. Wanaka liegt am gleichnamigen See, der mir nach einer sehr pittoresken Fahrt von Haast aus mit einigen Wolken einen wunderbaren Sonnenuntergang mit sehr intensiven Farben bescherte – hier der Versuch, ihn mit meiner Kamera einzufangen (eigentlich brauche ich eine echt gute Kamera, zumindest ein anstädiges Objektiv, aber so muß es auch gehen):


Der nächste Tag war kristallklar, Sonnenschein pur, und ich habe mich mal zum Canyoning angemeldet. Dafür klettert man auf einen Berg und steigt durch eine Klamm mit Bach wieder ab. Teils kletternd, teils rutschend und teils abseilend, auf jeden Fall aber nass. Das Abseilen war natürlich der Hauptgrund für mich das mal zu machen und es war wirklich ein großer Spaß. Außerdem war ich der einzige Snob, der die lange Tour gebucht hatte, also stieg ich mit einem Guide alleine noch ein wenig weiter hoch als die Gruppe und habe noch einige wirklich spektakuläre Abstiege am Seil hängend machen können, der höchste etwa 40 Meter senkrecht, großartig! Es ist schon erstaunlich, welch eine Kraft Wasser entwickeln kann wenn man’s ins Gesicht bekommt. Wieder geben die Fotos nur wenig her, aber ein Versuch:
Yup, that's me.

Nasse Sache, das.

Auf jeden Fall aber war der Tag phantastisch, auch durch den Blick auf den Gletscher am Berg mit dem viel versprechenden Namen Mount Aspiring:


Einzig und allein der Sonnenuntergang am Tag zwei war gänzlich ohne Wolken nicht so beeindruckend.

Eins muss ich aber auf jeden Fall sagen: Das Autofahren hier in den Bergen macht einen Mordsspaß! Die Strassen winden sich durch die Täler in teils extrem engen Kurven (wenn vor der Kurve eine Geschwindigkeit von nicht mehr als 25 km/h empfohlen wird, tut man gut daran darauf zu hören!), immer wieder hat man kurze Geraden zum Beschleunigen, dann muss man wieder scharf abbremsen, runterschalten, durch die Kurve und weiter geht’s - klasse. Bei meiner schwachbrüstigen Schleuder kann ich nicht umhin mir einen richtig gut auf der Straße liegenden, übermotorisierten Wagen zu wünschen – und natürlich die Versicherung, dass niemand entgegenkommt! Aber auch so ist schon richtig lustig.

Donnerstag, 3. Februar 2011

Von Hokitika bis Wanaka

Auf der Weiterfahrt Richtung Süden war es zunächst reichlich regnerisch, klarte im Tagesverlauf glücklicherweise auf. Der Franz Josef Gletscher war noch recht verhangen, aber schon gut zu erkennen. Allerdings muss ich sagen dass die Gletscher in den europäischen Alpen, die ich damals als Butschi mit meinem Vater „überklettert“ habe, doch deutlich imposanter waren. Der Regenwald drum herum ist aber schon recht eindrucksvoll und doch ganz anders als unsere Alpen. Überhaupt ist die Vegetation auf der Westseite sehr tropisch, wenn auch das Klima deutlich kühler ist. Wenn allerdings die Sonne rauskommt ist es angenehm warm und das Panorama wird atemberaubend.

Wie man sieht ist Neuseeland hier auf der Südwestseite wirklich so, wie man es von Bildern kennt. Immer wieder fährt man über kleinere und größere Bäche oder Flüsse, die vom Regen in den Bergen und der Schneeschmelze gespeist werden und das Bild abwechslungsreich und immer wieder traumschön machen (wie oft habe ich jetzt eigentlich schon „traumschön“ benutzt? Ich bitte um Verzeihung der Einseitigkeit, aber mir gehen langsam die Synonyme aus). Immer wieder säumen auch Seen unterschiedlichster Größe den Weg, als Wasserliebhaber muss ich immer wieder kurz anhalten und genießen.

Kurz bevor die Straße bei dem Örtchen Haast, wo ich übernachtete, wieder landeinwärts abbiegt, geht es noch mal an die Tasman See:


Die Weiterfahrt Richtung Wanaka war noch sonnig, entlang von größeren Seen:


Wieder war der Übergang von üppiger, regenwaldartiger Vegetation auf der Westseite zu eher schroffen, eher karg bewachsenen Bergen gut zu sehen. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was ich schöner finde, im Moment genieße ich nur – was ja auch nicht schlecht ist.

Dienstag, 1. Februar 2011

Christchurch, Arthur Pass & Hokitika

Christchurch ist eine durchwachsene Stadt. Mit etwa 300.000 Einwohnern geht sie in Neuseeland glatt als Großstadt durch, aber so richtiges Metropolen-Feeling kommt nicht auf. Sie gilt als der englischste aller Orte hier, was man besonders am Arts Centre merkt: In klassischem englischen Stil gehalten war es eine der ersten Universitäten in Neuseeland und die erste überhaupt, die auch Frauen zum Studium zuließ. Heutzutage ist es in erster Linie ein Zentrum für zeitgenössische Kunst – insbesondere natürlich neuseeländische Künstler und Maori Art – und mit einigen Cafes und Weinbars gesegnet, was bei dem guten Wetter insofern sehr schön war als dass ich in einem der Innenhöfe in der Sonne saß, gelesen habe und einige hervorragende neuseeländische Sauvignon Blancs verputzte. 

Der Courtyard der Universität 

Gegenüber liegen die kleinen, aber feinen botanischen Gärten, auch sehr schön zum Flanieren. Mit knapp drei Tagen in Christchurch war es aber auch mehr als gut, ich musste allerdings montags noch ein paar Besorgungen machen (unter anderem wetterfestes Schuhwerk, meine Segelschuhe sind für schlammige Pfade einfach nicht gemacht – glücklicherweise gibt es hier auch die „australischen Buschschuhe“ die wenigstens nicht so albern aussehen wie klassische Wanderschuhe), so musste ich durchhalten. Allerdings war einen Samstagnacht in so etwas wie einer Stadt auch mal wieder nötig, und da sie hielt, was sie versprach, war es auch durchaus nett. Auch war die Küche des Hostels sehr gut ausgestattet, so dass ich mal wieder anständig kochen konnte (Lamm wird einem hier verständlicherweise hinterhergeschmissen).

Nun habe ich für knapp zwei Wochen einen Mietwagen für die Südinsel, was glaube ich sehr vernünftig ist, da viele schöne Ecken doch eher ab vom Schuss liegen und die Touren bzw. auch die ganz normalen Intercity Busse doch ganz schön teuer sind, so dass ein Mietwagen auch nicht wesentlich teurer kommt. Auf der Fahrt von Christchurch über den Arthur Pass – also durch die neuseeländischen Südalpen – musste ich allerdings feststellen, dass dieser koreanische Jogurtbecher doch reichlich untermotorisiert ist und man sich auch bei mäßigen Steigungen schnell im zweiten Gang wieder findet. Dennoch, der Arthur Pass fährt sich sehr schön, mit steilen Bergen links und rechts und vielen kleinen Bächen, denen man ansieht, dass sie in der Schneeschmelze wohl ganz schön rauschend werden können.


Besonders interessant ist der Wechsel der eher ariden Ostseite zur recht feuchten Westseite: Bei der vorherrschenden Westwindlage bleibt die meiste Feuchtigkeit an den Bergen hängen, so dass die Ostseite recht kahl oder nur mit Gräsern bewachsen ist, je weiter man aber auf die Westseite kommt wird die Vegetation üppiger und dichter. Da ich weitestgehend Glück mit dem Wetter hatte war das ein prächtiges Bild, sonnendurchflutete Wälder mit dichten Farnen am Rand, ein Traum.

Auch die berühmten Keas ließen sich mal blicken – die sind für Papageien übrigens recht groß und sehr zutraulich:

Auf der Westseite bin ich jetzt in Hokitika – ja, das heißt wirklich so – angekommen. Der Ort ist zwar recht piefig und das Hostel eher ranzig, aber es gibt einen netten Strand (wie immer in Neuseeland eher schwarz). Bei diesem wäre ich gerne wieder etwa zehn Jahre alt, da alle möglichen Steine in unterschiedlichsten Formen und sehr viel Treibholz – von Wasser, Sand und Wind sehr glatt gespült – herumliegt, jede Menge Bastelmaterial. Da man ständig von den Maori hört und was die für Materialien zur Jagd etc. benutzt haben, spornt es die Phantasie und den Erfindergeist doch sehr an.

Das Wetter trübt sich aber anscheinend gerade etwas ein, was exzessive Spaziergänge eher unspektakulär macht (abgesehen davon muss ich diese vermaledeiten Schuhe erstmal einlaufen, da macht ein langer Gang eh keinen Spaß). Na, ich hoffe das gute Wetter kehrt recht bald zurück.

Samstag, 29. Januar 2011

Kaikoura

Kaikoura ist schön. Der Ort ist zwar reichlich unspektakulär, aber die Landschaft drum herum und besonders die Halbinsel sind großartig. Eingerahmt von Bergen liegt Kaikoura an der Ostküste der Südinsel, ein Strand aus Kieseln geht in türkises Wasser über. Dankenswerterweise rissen die an meinem Ankunftstag noch dichten Wolken auf und der Tag wurde hervorragend.

 Blick auf die Hügel in der Abendstimmung

An der Halbinsel, die man ohne viel Mühe in etwa drei Stunden zu Fuß umrundet hat, liegen die Robben in der ihnen eigenen Art faul in der Sonne und für Vogelliebhaber ist es ein feuchter Traum. Von der Steilküste aus blickt man in kristallklares Wasser, man kann sogar diversen Seevögeln und den Robben beim Tauchen zusehen. Selbst eine Schule Delphine verirrte sich so dicht unter Land, dass ich sie von den Klippen aus beobachten konnte.
An der Steilküste der Halbinsel - die Delphine waren zum Fotographieren leider zu klein

Ich habe mich gegen eine Whale Watching Tour entschieden, das war mir ehrlich gesagt ein bisschen zu teuer, außerdem waren die Katamarane der Touroperatoren für meinen Geschmack etwas zu groß – gerade bei Delphinen möchte man ja dicht dran sein und das hatte ich ja nun schon auf diversen Segeltouren. Andererseits ist es aber ganz schön, dass dieser Ort, dessen Ursprung im Walfang liegt, sich doch mehr dem Schutz der Wale verschrieben hat. 

Donnerstag, 27. Januar 2011

Picton, der Start auf die Südinsel

Picton ist das klassische Einfallstor zur Südinsel: Beide Fährbetriebe haben hier ihre Anleger. Im Gegensatz zu den meisten Fährhäfen ist Picton aber sehr pittoresk gelegen, allerdings sonst ein ziemlich verschlafenes Nest. Macht aber nichts, die Lage am Fjord macht die Umgebung wirklich schön und mit dem guten Wetter habe ich es sehr genossen.
Am Queen Charlotte Sound

Hinzu kam, dass das Hostel außergewöhnlich nett war: Die „Villa“ ist ein kleiner Komplex von bungalowartigen Hütten mit einem niedlichen Garten, da ließ es sich aushalten. Ganz im Gegensatz zu meinem sonstigen Verhalten (raus und durch die Bars ziehen) war ich abends meist einfach im Hostel, trank ein Bierchen oder zwei und habe mit Jane vom Personal oder den anderen Gästen geschnackt, sehr nett.

Der Garten der "Villa" - oder zumindest ein Teil davon 

Die Krönung war aber natürlich das Tuesday Race des örtlichen Yachtclubs. Wie die Kiwis halt so sind kann man sich beim Yachtclub auch als ortsfremder Traveller einfach anmelden, wird auf ein Boot gesetzt und kann mitsegeln. Sicherlich ist es nur ein Fun Race und die Boote sind mehrheitlich auch nicht gerade Rennziegen, aber bei dem Panorama, Wetter und der angenehmen Brise macht das überhaupt nichts. Ich war auf einem relativ großen Dampfer, etwa 55 Fuß, aber eher auf lange Touren als auf kurze Race Schläge ausgelegt. Dennoch, die Crew war nett, mit Segelerfahrung war ich ohnehin gern gesehen und die Wettfahrt war ein Traum! Allerdings konnte ich als Grossschottrimmer keine Fotos machen…

Egal, der Aufenthalt war sehr nett und ich bin auf den Rest der Südinsel sehr gespannt.

Montag, 24. Januar 2011

Passage zur Südinsel: Cook Strait

Nun also die Überfahrt zur Südinsel über die, nun ja, berüchtigte Cook Strait. Der Wetterbericht war allerdings hervorragend und hielt, was er versprach: Nach dem die Fähre die noch sehr wolkenverhangene und durch die Hügel mit heftigen Fallböen geplagte Bucht von Wellington verlassen hatte, riss die Wolkendecke auf und ein wundervolle Überfahrt bei strahlendem Sonnenschein begann.


Ein leichter Schwell schubste uns ein wenig, aber (leider) nicht sonderlich aufregend – etwas mehr Bewegung wäre sicherlich lustig gewesen, mal sehen was die Rückfahrt sagt. Auch die Einfahrt in den Queen Charlotte Sound, der sich etwa 35 Kilometer landeinwärts erstreckt, war ein Traum. Eine Fjordlandschaft wie in Norwegen, mit Hügeln / Bergen auf beiden Seiten und klarem Wasser in unterschiedlichen Schattierungen.


Meinetwegen hätte die Fahrt ruhig noch etwas länger dauern können.

Wellington

Wellington ist eine nette Stadt. Zwar gibt es hier überraschenderweise weniger Marinas (obwohl der Naturhafen, an dem Wellington liegt, durchaus ein nettes Revier sein dürfte), aber was der Stadt an Segelflair fehlt macht sie mit Kultur und Nightlife mehr als wett. Somit war es recht praktisch am Freitag anzukommen, um gleich ins Leben geworfen zu werden. Mit Jacob (aus Minnesota, also ein Stoppelhopser, aber ein netter) und Sarah (einer Kiwi aus Wellington, die uns gleich mit einer Gruppe ihrer Freunde bekannt machte), die ich während der Zugfahrt traf, stürzte ich mich ins Nachtleben, gestärkt von Gnocci und einem großartigen Sauvignon Blanc aus der Gegend von Marlborough – Wein können sie! Kurz gesagt, es wurde eine lange Nacht.

Der Samstag war leicht bedeckt, was ein erkunden der Stadt nicht ganz so schweißtreibend machte. Überhaupt ist es hier ein bisschen kühler als ich es von den letzten Monaten gewöhnt bin – ist aber eine nette Abwechslung.

Wellington liegt auf Hügeln, wie immer ist die Innenstadt nicht allzu spektakulär und die Häuser von-bis, aber der Botanische Garten ist sehr hübsch gemacht, eine schöne Anlage mit Erklärungen der jeweiligen Pflanzen – und vor allem dem Einfluss, den eingeschleppte Spezies (sowohl Pflanzen als auch Tiere) auf die hiesige Flora und Fauna haben. Überhaupt sind die Neuseeländer auf intensive Art mit Umweltschutz und vor allem dem Schutz der ursprünglichen Natur verwoben. Persönlich finde ich das großartig. Es nimmt zwar zuweilen fast skurrile Formen an, aber führt tatsächlich dazu, dass großflächige Schutzgebiete abgesteckt werden und die Natur als Wert an sich ganz selbstverständlich als schützenswert wahrgenommen wird. Wie schon in Australien – hier sogar noch mehr – empfinde ich das als sehr nachahmenswert.

Vielleicht bin ich gerade etwas emotional, aber auch der Peace Garden im Botanischen Garten hatte etwas Berührendes: Ein Wasserfall und ein kleiner Teich umschließen eine kleine japanische Pagode, in der eine Flamme brennt, die vom ungelöschten Feuer der Atombombe in Hiroshima stammt. In einer offiziellen Zeremonie wurde die Flamme – am Tempel in Hiroshima entzündet – an Wellington für die Bemühungen um eine atomwaffenfreie Welt von den japanischen Tempelpriestern übergeben. Ich persönlich wusste nicht, dass die Kiwis sich dort besonders hervorgetan hätten, aber man lernt ja nie aus (und in der Tat ist Neuseeland nuklearfrei). So oder so stimmt einen dieser Garten, gleich neben den Rosenbeeten gelegen, nachdenklich.

Die Flamme von Hiroshima 

Nach wiederum recht ausschweifender Nacht war am Sonntag das Te Papa Museum auf dem Plan (außerdem regnete es permanent, was einen Museumsbesuch ohnehin adäquat machte). Jedem Wellington Besucher sei dieses Museum ans Herz gelegt (und nicht nur, weil der Eintritt frei ist): Es konzentriert sich auf Naturwissenschaft mit Neuseeland im Fokus. Die Ausstellungen sind hervorragend und sehr anschaulich gemacht (und auch sehr kinderkompatibel – da wären wir wieder beim Geräuschpegel) und zeigen sowohl die erdgeschichtliche Entstehung als auch die Veränderungen im Verlauf der Zeit, insbesondere seit Ankunft des Menschen und welche Folgen dieser hatte – wie schon gesagt, da haben die Kiwis eine Ader für!  Auch die pazifischen Kulturen werden beleuchtet und die Verbindungen zu Neuseeland dargestellt, alles in einer sehr unaufdringlichen und nachvollziehbaren Weise, einfach gut gemacht.